Vom eigentlichen traditionellen „Teeweg“ cha do ist in Deutschland meist nur die Teezeremonie cha no yû an sich bekannt. Dabei ist der Teeweg in seiner kulturellen Bedeutung viel mehr und wird oft als einer der Wege des Zen-Buddhismus bezeichnet, der aus dem Streben nach Einklang mit der Natur entstand.

Der Teeweg hat hierbei kein konkretes Ziel, sondern ist vielmehr ein steter Weg, der den Weg nach innen - zu sich selbst - repräsentieren soll. Auf diese Weise steht der Teeweg für die Verbindung von östlicher Kultur und religiösen Traditionen.

Urvater des Teewegs ist der Teemeister Sen nô Rikyu (1522 – 1591), der die Teezeremonie in vier Grundsätze gegliedert hat:

  • wa (Harmonie des Menschen mit sich und der Natur)
  • kei (Hochachtung und Ehrfurcht)
  • sei (Reinheit)
  • jaku (innere Stille und heitere Gelassenheit)

Der Teeweg, wie ihn Rikyu gegründet hat, wird bis heute von der Urasenke Teeschule in Kyoto durch Sen Sôshitsu (Nachkomme Rikyus in der 16. Generation) gelehrt und gepflegt und wird auch in einigen Teeschulen in Deutschland gelehrt. Die Urasenke Teeschule stammt aus dem 16. Jahrhundert und gehört zu den drei Hauptteeschulen Japans und wurde vom Enkel des großen Tee- und Zenmeisters, Sen no Rikyu, gegründet.

Rikyu selbst sah den Teeweg an sich eher unromantisch: „Des Teewegs Urgrund: Wasser sieden, Tee schlagen und ihn mit aufrichtigem Herzen trinken. Mehr nicht!“ oder ebenso in der ursprünglichen Bezeichnung der Teezeremonie cha no yû („heißes Wasser für Tee“). Der westliche Begriff „Teezeremonie“ ist eigentlich auch nur entstanden, als westliche Beobachter bemerkten, daß die Teezubereitung exakt festgelegten Regeln folgt.

Und tatsächlich sind alle Handlungen, die sich während der Teezeremonie abspielen, exakt festgelegt und werden vom Lehrer an den Schüler weitergegeben. Oberstes Ziel ist die Harmonie der gesamten Teezubereitung, die je nach Jahreszeit und den verwendeten Teegeräten unterschiedlich ablaufen kann.

Dabei beschränkt sich der Teeweg nicht allein auf das Teetrinken, der Teeweg ist sehr viel mehr und soll hier nur verkürzt dargestellt werden, da seit Rikyu alle Abläufe einer Tee-Einladung genauestens festgelegt sind.

Beginn der Einladung: Der Empfang der Gäste
Diese läuft lautlos ab und dient der Reinigung der Hände und des Mundes durch frisches Wasser in einem Wasserbecken. Gast und Gastgeber können sich so von dem Staub und der Hektik des Alltags reinigen. Ebenfalls beinhaltet diese Phase den Eintritt in den Teeraum, der nur sehr sparsam dekoriert ist.

kaiseki: Stillen des Hungers
Nach der kurzen Begrüßung durch den Gastgeber wird ein kleines, aber durchaus kunstvoll zubereitetes Mahl serviert. Wörtlich übersetzt bedeutet kaiseki „Stein in der Brusttasche“. Dieser Ausdruck hat eine Verbindung zu den Zen-Mönchen, die diese Methode nutzten, um während der langen Meditationsphasen weniger Hunger zu verspüren, indem sie einen Stein in ihrer Brusttasche auf den Magen legten.

koicha: Eine Schale Tee
Nach einer Pause, die sich dem kaiseki anschließt, werden die Gäste in den Raum zurückgerufen und in völligem Schweigen wird eine Schale dicker Tee koicha zubereitet.
Außerdem beinhaltet diese Phase insbesondere das Reinigen der Teegeräte (obwohl sie sauber sind), welches vor allem dazu dient, eine gewisse Harmonie zu erlangen.
Der Tee an sich wird aus pulverisiertem Tee in einer Schale mit etwas Wasser zubereitet. Jeder Gast nimmt drei Schluck Tee und reicht die Schale weiter bis zum nächsten Gast – das Gefühl des Eins-Seins soll hierdurch unterstützt werden.

ushucha: Tee für den Alltag
Nun wird der Tee für den Alltag, ein dünner Tee, zubereitet. Auch hier werden die Teegeräte sorgfältig gereinigt. Nach der Reinigung wird für jeden Gast eine individuelle Schale des ushucha zubereitet. Dabei wird zum Zeichen der Einheit und Zusammengehörigkeit nur eine einzige Teeschale verwendet. Nachdem alle Gäste getrunken haben, läuft die Zeremonie rückwärts – alle Handlungen werden in sich aufgehoben.

Japanerinnen erlernen die Teezeremonie über Jahre, bis sie soweit sind, Gäste zu bewirten.
Abgesehen von der traditionellen rituellen Teezeremonie ist Tee in Japan aber vor allem auch Alltagsgetränk und Begleiter bei Reis-, Fisch- oder Gemüsemahlzeiten.

Zwei kleine Geschichten noch:

Der Teemeister Rikyu wurde von einem Schüler gefragt, was der Sinn des Teeweges sei. Rikyu antwortete in der für den Zen typischen Reduktion auf das Wesentliche: „Wasser holen, Feuer anzünden, Wasser erhitzen, Teeschlagen und trinken, das ist alles!“ Als der Schüler darauf entgegnete: „ Das kann ich schon alles!“ antwortete Rikyu: „Dann möchte ich dein Schüler werden!“.

„Was ist der geheime Hintergrund für die Verwendung des Furo im Sommer und des Ro im Winter?“ fragte ein Schüler. „Ruf im Sommer das tiefe Empfinden einer kühlen Frische und im Winter das einer geborgenen Wärme hervor. Leg die Holzkohle so, daß sie das Wasser richtig erhitze, und bereite einen Tee, der erfreut – das ist das ganze Geheimnis!“ antwortete Rikyu. ... mehr Zitate ...